
Der Ursprung des Vollkontakt-Kickboxens kann in der 2000 Jahre alten Disziplin Muay Thai wiedergefunden werden. Thaiboxen wurde wie viele andere Kampfkünste zur Notwehr entwickelt. Es entwickelte sich zu einem Sport, als Nahkampf im Krieg immer weniger wirksam wurde. Heute ist es der Nationalsport in Thailand. Thaiboxer in Thailand haben dort etwa einen Status wie in Europa Fußballstars oder in Amerika Basketballstars.
Vollkontakt-Kickboxen entwickelte sich durch eine Kombination von Thaiboxen und anderen Kampfkünsten. Das erste Mal, dass so wie heute im Kickboxen gekämpft wurde, war in den frühen Siebzigern in den USA. Den Anstoß dazu gaben einige Karatekämpfer. Damals hieß es noch Vollkontakt-Karate.
Im September 1974 wurden die ersten Vollkontakt-Karate-Weltmeisterschaften in Los Angeles ausgetragen. Diese Weltmeisterschaft wurde von der PKA (Professional Karate Association) sanktioniert. Die Kämpfe fanden auf einer traditionellen Karate-Kampffläche statt (kein Ring). Einige der besten traditionellen Karatekämpfer aus Nordamerika versuchten sich an dieser neuen Disziplin. Es dauerte dann bis in die späten Siebziger, bis man in einem Boxring kämpfte. Die ersten Vollkontakt-Karate-Weltmeister waren Jeff Smith, Joe Lewis, Bill Wallace und Isuena Duenas. Die ersten drei Namen werden wohl unsterblich bleiben.
Von 1974 - 1985 war die PKA der größte Verband obwohl hauptsächlich in den USA gekämpft wurde. Don & Judy Quine sowie Joe Corley verhalfen der PKA zu einer Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Sender ESPN, was große Vorteile für diesen Sport hatte. Die PKA entwickelte neue Bewertungssysteme und schon kristallisierten sich einige Superstars des neuen Sportes Kickboxen heraus: Jean-Yves Theriault, Brad Hefton, Jerry Trimble und Steve Shepard.
In Deutschland wurden die Wurzeln für einen neuen, konkurierenden Verband gepflanzt. Georg Brückner gründete 1975 die WAKO (World All Style Karate Organisation). Ab dem Zeitpunkt wurden in der ganzen Welt entsprechende Verbände gegründet. Ennio Falsoni übernahm die WAKO nach dem Tod von Georg Brückner. Unter der Führung von Mike Anderson entstand ein professioneller Verband, die PKO. Dieser bestand aber nur wenige Jahre.
1976 wurde die WKA (World Kickboxing Organisation) von Howard Hanson einem Shorin Ryu Schwarzgurtträger und Schüler von Mike Anderson gegründet. Durch gute Kontakte nach Asien führte man das Kämpfen mit Lowkicks ein. Die WKA entwickelte sich sehr rasch in Europa. Rob Kaman, Fred Royers, Ivan Sprang, und Ronnie Green waren wohl die ersten europäischen Superstars. Als Howard Hanson die WKA an den Kanadier Dale Floyd 1991 verkaufte, gab es jedoch mehr Aktivitäten in Nordamerika als sonst irgendwo in der Welt. Dies führte dazu das die WKA ein bißchen verblaßte.
1994 wurden Fred Royers aus Holland und Jean-Paul Maillet aus Frankreich Europadirektoren als Paul Ingrahm die WKA übernahm und in England etablierte. Die WKA wurde anschließend einer der größten Verbände weltweit. Als 1985 die PKA einige gesetzliche Probleme hatte, beschlossen 5 große US-Veranstalter sowie einige PKA-Executivmitglieder einen neuen Verband zu gründen.
Am 16. Juli 1986 wurde die Internationale Sport Kickboxing Association gegründet. Ihre ersten Direktoren in den USA waren Mike Sawyer, Karyn Turner, Tony Thompson, John Worley und Scott Coker. Die meisten der PKA Veranstalter sanktionierten anschließend ihre Kämpfe über die ISKA. Die Titelkämpfe wurden nur mit den besten Kämpfern ausgerichtet und im Fernsehen auf ESPN übertragen. Dies führte dazu, dass sich die ISKA sehr schnell etablieren konnte. Da man aber wenig mit Europa zusammenarbeitete und die anderen europäischen Verbände nicht oder wenig in den USA tätig waren, beschloß man, einen Arm der ISKA in Europa zu gründen.
1986 wurden Olivier Muller, Jerome Canabate und Mohamed Hosseini europäische Direktoren. Zwischen 1986 und 1988 überwachte der Amerikaner Richard Mayor den europäischen Flügel der ISKA als Europapräsident. Ab 1991 wurde die ISKA von zwei Vorsitzenden weltweit kontroliert. Es war ihr Verdienst, dass es flächendeckend Kickboxen in den USA gab. Zusätzlich vereinigten sie kleinere Verbände.
Während all dieser Zeit blieb Thaiboxen der Hauptkampfsport in Asien und wird noch heute in Thailand von der Regierung gefördert. Alle Verbände die mit der WMTC (World Muay Thai Council) zusammenarbeiten sind am glaubwürdigsten. Von 1996 bis 1998 führte Olivier Muller die ISKA alleine an. In dieser Zeit setzte er neue Impulse und führte neues Blut in die ISKA. Obwohl die ISKA in den frühen Neunzigern nachzulasssen schien, kontrolliert sie jetzt fast 60 % des weltweiten Kickboxens. Kleinere Streitereien sowie Brotneid führten dazu, dass sich die ISKA spaltete. Das jüngere Blut welches in Europa die Verantwortung hatte war mit den Amerikanischen Amtsinhabern nicht zufrieden.
1996 gründete man die WKN als Tochtergesellschaft der ISKA, um andere Teile des Marktes zu fangen. Unglücklicherweise sahen die Amerikaner in der WKN eine Bedrohung. Dies führte 1998 zu einer Abspaltung der WKN. Der Abrutsch von Olivier Muller und der ISKA war eminent. Eine straffe junge Mannschaft unter der Führung von dem Franzosen Stephane Cabrera leitet die WKN. Andere große Namen des Kickboxens schlossen sich an. Manche gute Kämpfer der WKN stehen heute bei Don King unter Vertrag. Alle Gelder, die durch Sanktionen eingenommen werden, kommen in einem zentralen Topf, um Veranstaltungen und Kämpfer zu fördern. Es war schade, dass die Spaltung zustande gekommen ist, aber es hat bestätigt, dass endlich Licht im Tunnel des Kickboxens zu sehen ist. 2002 hat die WKN in Deutschland ihre Arbeit unter der Führung von Torsten Knille aufgenommen, der 2003 von Wolfgang Gier aus Hamburg abgelöst wurde. Mit Herrn Gier wurde ein Mann mit langjähriger Erfahrung für die WKN gewonnen. So ist dieser seit Beginn des Vollkontakts im Jahre 1976 in Deutschland dabei.
Muay Thai gehört zu den härtesten Kampfsportarten auf der Welt. Hier wird mir Fäusten, Ellenbogen, Knien, Schienbeinen und Füßen gekämpft. Der größte Teil des Trainigs wird an Boxsäcken und Pratzen verbracht. Langsam wagen sich auch Frauen an diese Kampfkunst.
Die Thai lebten ursprünglich im Südwesten Chinas. Ab dem 9. Jahrhundert begannen sie, in Gruppen in das Gebiet des heutigen Nordwest- Thailands einzudringen. Die sich bis zum 13. Jahrhundert hinziehende Landnahme stellte keine kurze und gewaltsame Eroberung dar, sondern vollzog sich langsam. Einige Quellen behaupten, dass in dieser Zeit Muay Thai als Verteidigungsform entstand, weil ein besonderer Wunsch nach Absicherung bestand. Im Jahre 1220 erhoben sich zwei Thai- Prinzen und vertrieben die bisher in Sukhothai ansässigen Khmer. Der sagenumwobene Indratitya bestieg 1238 den Thron und wurde zum ersten Herrscher über Sukhothai. Unter seinen Nachfolgern vollzog sich von Sukhothai aus die Gründung des ersten Thai-Großreiches im Gebiet des heutigen Thailands. U Ram Khamheng, der dritte König der Sukhothai-Dynastie, gilt als Erobererkönig, der die Herrschaft der Thai weiter Richtung Laos und Burma ausdehnte. Um das Land zu beschützen, rief König Ram Khamheng gute Muay- Thai- Lehrer aus verschiedenen Dörfern zusammen und brachte Muay Thai in ein geordnetes System, nach dem von nun an die Soldaten trainiert wurden.
Die Gründung des Königreichs und der gleichnamigen Hauptstadt Ayuthaya erfolgte 1350 durch Rama Thiboldi I., den Fürsten der Stadt U Thong. Die ehemals zu Sukhothai gehörenden Provinzen wurden bis 1438 vollständig eingegliedert. Der Bedrohung durch das birmanische Hegemonialstreben konnte sich Ayuthaya bis 1569 widersetzten. Nach vorherrschender Meinung hat hierbei das die Armee verstärkende Muay Thai eine große Rolle gespielt. Möglicherweise, so glauben viele, gäbe es heute kein Thailand, wenn sich die Thai nicht schon damals zu wehren gewusst hätten.
Die Hauptstadt Ayuthaya wurde 1569 von Birma genommen und dem birmanischen Reich als Provinz einverleibt, in der ein Vasall namens Mahathamaratcha als zunächst willfähiger König eingesetzt wurde. In seinem Sohn, dem thailändischen Prinzen Narasuen der Große, der aus der Geiselhaft in Birma entfloh, erwuchs dem Land der Retter. In zahlreichen Feldzügen vertrieb er die Birmanen aus dem Land und folgte 1590 seinem Vater auf den Thron. Den birmanischen Thronfolger besiegte er 1592 in einem Zweikampf, in dessen Zusammenhang zum ersten Mal Muay Thai in einem geschichtlichen Dokument erwähnt ist. Dieser Kampf ist als der Sieg von Nong Saray bekannt geworden. Durch den Verlust ihrer Führung mussten die Birmanen endgültig das Gebiet verlassen.
Bis zum 17. Jahrhundert herrschte eine Zeit des Wohlstands und des Friedens. Erste Beziehungen zum Westen wurden geknüpft. Der König Phra Phetraja (1688- 1703) beendete diese Bekanntschaften, indem er die Europäer vertrieb, nachdem wiederholt Schwierigkeiten aufgetreten waren.
Sein Nachfolger Phra Chao Sua (König Tiger) ist bekannt für seine Muay- Thai- Kenntnisse und Vergleichskämpfe, aber auch für seine Ausschweifungen, die 1709 zu seinem Tod führten. Als Jugendlicher trainierte er Muay Thai im königlichen Palast und reiste zu vielen Camps, um deren spezielle Techniken zu erlernen. Nach seiner Inthronisation ließ er dann Kämpfe in der Palastarena abhalten, und Kämpfer, die ihm besonders gefielen, stellte er als seine Leibwache ein. Auch nahm er- verkleidet, um unerkannt zu bleiben- an Muay- Thai- Kämpfen auf Dorffesten teil. An einem Tag soll er auf einem Festival drei Kämpfer hintereinander geschlagen haben. yuthaya, eine der blühendsten Städte des Ostens, wurde 1767 von den Birmanen erobert und zerstört. Die Stadt wurde bis auf den Grund niedergebrannt. Es gingen nahezu alle offiziellen Archive verloren, weshalb sich vieles aus der thailändischen Geschichte und der Geschichte des Muay Thai nur ungenau wiedergeben lässt. Viele Thais wurden danach als Geiseln für den König von Birma genommen und mussten für ihn arbeiten. Nachdem sie einen Tempel für den birmanischen König fertig gestellt hatten, fragte dieser einer Legende zufolge bei der Eröffnungsfeier, welcher Thai gegen Birma kämpfen wolle. Daraufhin meldete sich Nai Kha Nom Tom und trat am 17. März 1770 hintereinander gegen 10 Birmanen an, die er alle besiegte. Nach seinen Siegen stellte ihm der birmanische König einen Wunsch frei. Daraufhin kehrte er in Erfüllung seines Wunsches nach Thailand zurück. Der 17. März wird deshalb heute als Tag des Muay Thai gefeiert. Dem Unterbefehlshaber Phaya Tak (Taksin) gelang es, den Birmanen zu entfliehen, versprengte Truppenverbände neu zu formieren und mit der Rückeroberung zu beginnen. Bis 1769 war das Territorium Thailands der Ayuthaya- Zeit im Wesentlichen wiedervereinigt, Regierungssitz war Thonburi. Sein Offizier Phraya Chakri löste Taksin 1781 ab, weil Taksin wahnsinnig geworden war, und nach der Hinrichtung Taksins konnte er 1782 als Rama I. den Thron besteigen. Er verlegte Hauptstadt und Regierungssitz von Thonburi nach Bangkok. Die Chakri- Dynastie wurde von ihm begründet und regiert noch heute in Thailand.
Seine Unabhängigkeit und das Überleben als Nation angesichts des französischen und englischen Kolonialisierungsstrebens verdankt Thailand hauptsächlich zwei großen Herrschern: König Mongkut (Rama IV.) und König Chulalongkorn (Rama V.).
Unter diesen beiden Königen wurde ein starkes Nationalbewusstsein geprägt. Die Thailänder sind stolz auf ihre nahezu ununterbrochene Unabhängigkeit, ihre Traditionen und ihr Kultur, zu der auch Muay Thai gehört. Die Regierungen versuchen, diese zu erhalten und zu schützen.
Über allem politischen Hin und Her der verschiedenen Machthaber steht als einigende Kraft der König als Symbol der Zusammengehörigkeit aller Thai. Durch unermüdlichen persönlichen Einsatz hat der heutige König Bhumibol (Rama IX.) die Stabilisierung der Monarchie erreicht. Der König wird heute von allen Gruppierungen respektiert, beim Volk genießt er große Popularität. Der im Land gebräuchliche Name für Thailand ist Muang Thai, Land der Thai oder auch der Freien. Deshalb wurde 1939 Thailand zur offiziellen Bezeichnung des bisher von den Europäern Siam genannten Landes.
In der gesamten Geschichte Thailands spielt die Freiheit und Unhabhängigkeit eine sehr große Rolle. Wenn auch Muay Thai seit dem 19. und 20. Jahrhundert als Verteidigungsform aufgrund der Entwicklung moderner Waffen an Bedeutung verloren hat, so spielt es doch in der geschichtlichen Entwicklung Thailands eine große Rolle. Vielleicht ist das auch der Grund für die leidenschaftliche Begeisterung vieler Thai für Muay Thai als Sport."
Textauszug: